Leistungsänderung durch Pflegedienst

Frage:
Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin ja so froh, dass ich auf ihre Seite gestoßen bin und ich hoffe, dass sie mir weiterhelfen können. Hier meine Frage: Darf der Pflegedienst nach ca. fünf Jahren das Baden meiner Mutter verweigern? Bisher habe ich als pflegende Angehörige mit dem Pflegedienst zusammen meine Mutter gebadet. Nun sollen zwei Pflegekräfte kommen und die eine Kraft muss ich zahlen. Dies sehe ich nicht ein weil ich körperlich fit bin. Der Pflegedienst hat mir dies durch das Pflegepersonal mitgeteilt, ich wurde nicht gefragt ob ich einverstanden bin. Außerdem hätte ich Rückenschmerzen. Ich wusste nicht das ich Rückenschmerzen habe. Das Badezimmer wäre zu klein und es wäre zu gefährlich Mama in die Wanne zu setzen, ich soll nicht mithelfen. M. E. möchte der Pflegedienst nur Geld abzocken, und ich weiß nicht was ich machen soll. Mit dem Hausarzt habe ich schon geredet, aus medizinischer Sicht gibt es keine Bedenken, das ich als Tochter meine Mutter mit bade. Wir haben auch einen Lifter, den man auch fürs Baden nutzen könnte. Ist der Pflegedienst nicht verpflichtet mir das schriftlich mitzuteilen anstatt durch irgendeine Pflegekraft? Auch glaube ich das mein Alter kein Problem darstellt, ich bin erst 30. Die meisten Angehörigen sind um die 50. Zudem hat der Pflegedienst Schwierigkeiten mit dem Ansatz der multikulturellen Pflege, das war echt anstrengend, dem Pflegedienst verständlich zu machen, das meine Mutter nicht von männlichen Kräften gepflegt werden soll. Nur weil sie nicht mehr reden kann heißt das nicht, dass sie kein Schamgefühl / Würde mehr hat. Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen. Danke!

Antwort:
Dass Angehörige bei der Pflege helfen, ist löblich und eigentlich gerne gesehen. Hilfsmittel wie Badewannenlifter sind zur Erleichterung der Pflege da und müssen auch als solche eingesetzt werden, wenn sie intakt sind und die räumlichen Gegebenheiten es zulassen.

Der Pflegedienst sollte sich bei Umstellungen von Pflegemaßnahmen frühzeitig mit den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen zusammensetzen, um diese Maßnahmen zu besprechen. Richtig wäre, wenn die Pflegekraft, die meistens eingesetzt wird und die Pflegedienstleitung sich gemeinsam mit den Betroffenen zusammensetzen und alle nötigen Maßnahmen besprechen.

Allgemein sollte ein schriftlicher Pflegevertrag zwischen den Parteien geschlossen werden, der dann, wenn Veränderungen in der Pflege besprochen sind, entsprechend angepasst werden muss.

Pflegeverträge zwischen dem Pflegedienst und dem zu Pflegenden sollen das Zusammenspiel dieser beiden Parteien regeln. Dies kann einiges einfacher machen, vor allem wenn Unstimmigkeiten da sind.

Grundsätzlich muss auch in der Pflege gelten: Der Kunde ist König.

Der Pflegedienst darf nicht eigenmächtig Leistungen verändern und dann den Pflegebedürftigen zur Kasse bitten.

Ich vermute, dass es hier und da schon des Öfteren Diskussionsbedarf zwischen Ihnen und dem Pflegedienst gab.

Dies ist aber völlig normal, da hier aus zweierlei Sichtweisen argumentiert wird. Zum einen aus der fachlichen, medizinischen Sicht des Pflegeanbieters. Zum anderen aus Sicht der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. Eigentlich sind dies in vielen Fällen sogar drei Sichtweisen, die aufeinander prallen.

Multikulturelle Pflegen sind, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, nie ganz einfach. Dies gilt für beide Parteien. Was aber unumstritten ist, der der die Pflege bezieht, gilt als Auftraggeber (der Pflegebedürftige oder in Vertretung der Angehörige oder der gesetzliche Betreuer, wenn er vom Gericht eingesetzt wurde), der Pflegedienst immer als Dienstleister. Somit können vom Pflegebedürftigen auch die Spielregeln im Grundsatz festgelegt werden. Der Pflegebedürftige kauft beim Pflegedienst Leistungen ein, die er oder seine Angehörigen, nicht alleine bewerkstelligen können. So ist die Pflegeversicherung zu verstehen.

Aber bitte verstehen Sie auch den Pflegedienst. Dieser hat mehr als nur einen Patienten zu versorgen und kann nicht immer jedem gerecht werden.

Zum Schluss mein Ratschlag:
  • Suchen Sie das Gespräch mit der verantwortlichen Pflegedienstleitung und fordern Ihr Recht und schließen Sie einen Pflegevertrag darüber.
  • sollten die Gespräche nicht zu Ihrer Zufriedenheit verlaufen, wechseln Sie den Anbieter.
  • als letzte Möglichkeit bleibt die schriftliche Beschwerde bei der Pflegekasse.


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