Pflegestärkungsgesetz

Immer wieder geistert der Begriff durch Politik und Presse – das Pflegestärkungsgesetz. Aber was steckt dahinter? Pflegeversicherung gibt es nun seit mehr als 20 Jahren. Die in den Jahren gemachten Erfahrungen offenbarten Lücken, die durch die neuen Gesetze geschlossen werden sollen.

Immer mehr Menschen werden immer älter; damit steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen und das bedeutet, dass die Pflegeversicherung verstärkt in Anspruch genommen wird. Insbesondere die hohe Zahl demenziell erkrankter Menschen wurde im ursprünglichen Konzept der Pflegeversicherung kaum berücksichtigt.

Das Pflegestärkungsgesetz soll zum einen die Finanzierung der Pflegeversicherung stabilisieren, zum anderen sollen die Leistungen aus der Versicherung den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen angepasst werden.

Das erste Pflegestärkungsgesetz ist 2015 in Kraft getreten und brachte umfangreiche Leistungsverbesserungen sowohl im stationären als auch im ambulanten Pflegesektor mit sich. Besonders die pflegenden Angehörigen werden durch dieses Gesetz gestärkt. Sie können jetzt verschieden Leistungen wie z.B. Kurzzeit- und Verhinderungspflege den individuellen Erfordernissen entsprechend untereinander kombinieren.

Tages- und Nachtpflege kann zusätzlich zu Geld- und Sachleistungen in Anspruch genommen werden. Und erstmals stehen an Demenz erkrankten Menschen mit der sogenannten Pflegestufe 0 teilstationäre Leistungen aus der Tages- und Nacht- sowie Kurzzeitpflege zu.

Mit dem Pflegestärkungsgesetz II wird ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff gesetzlich verankert. Das neue Begutachtungs-Assessment (NBA) orientiert sich ausschließlich an den Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder den Fähigkeiten der Betroffenen.

Von dieser Neuerung profitieren vor allem die an Demenz erkrankten Personen bzw. deren Angehörigen, da durch das im Januar 2016 in Kraft getretene Gesetz die unterschiedliche Behandlung von körperlichen Einschränkungen einerseits und geistig-psychischen Einschränkungen andererseits bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit nivelliert wird. Ausschlaggebend ist einzig und allein die Fähigkeit des Betroffenen, seinen Alltag zu bewältigen.

Beratung auch für Angehörige

Durften sich vor 2016 nur Betroffene bei ihrer Pflegeversicherung beraten lassen, steht diese Beratung jetzt auch den Angehörigen offen. Dabei gilt der Grundsatz: Rehabilitation vor Pflege, das bedeutet Rehabilitationsmaßnahmen werden erheblich gefördert, um die Selbständigkeit der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten.

In diesem Zusammenhang wird auch nicht dauerhaft pflegebedürftigen Menschen der Zugang zu einer Kurzzeitpflege z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt erleichtert. Oberstes Ziel ist es, die Selbständigkeit der Menschen zu unterstützen und so lange wie möglich zu erhalten, damit sie im gewohnten häuslichen Umfeld bleiben können. Zeichnet sich eine Pflegebedürftigkeit ab, so unterstützt die Pflegeversicherung bereits im Frühstadium die Betroffenen z. B. dabei die Wohnung pflegegerecht umzugestalten.

Mit Beginn des Jahres 2017 tritt das Pflegestärkungsgesetz II in vollem Umfang in Kraft. Die Pflegbedürftigen wechseln dann automatisch in die fünf neuen Pflegestufen. Die neuen Beurteilungskriterien (NBA) garantieren, dass niemand aus dem System fällt oder schlechter als bisher gestellt wird, ganz im Gegenteil, ein Teil der Pflegebedürftigen wird beim Übergang in das neue System bessere Leistungen erhalten.

Darüber hinaus stehen allen Versicherten zusätzliche Betreuungsangebote zur Verfügung. Und um die Betroffenen und ihre Angehörigen noch mehr zu unterstützen, senkt das Pflegestärkungsgesetz auch bürokratische Hürden und die ein oder andere Antragspflicht wird abgeschafft.

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