Was
Wo

Glossar

Das Pflegenetzwerk ist das Portal in erster Linie für pflegende Angehörige und alle, die Fragen rund um die Pflege haben. Unser Service ist für Sie kostenlos. Hier möchten wir Ihnen vorab die wichtigsten Begriffe aus dem Pflegebereich erläutern.

Verhinderungspflege

Im wahrsten Sinne des Wortes: Jemand ist verhindert, seiner pflegerischen Aufgabe nachzukommen, also muss Ersatz geschaffen werden. Die offizielle Bezeichnung lautet „Häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson“.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Antrag auf Verhinderungspflege ist, dass die pflegende Person, ganz gleich ob Angehöriger oder ehrenamtlich tätig, seit mindestens einem halben Jahr die pflegebedürftige Person für mindestens 10 Stunden in der Woche regelmäßig betreut und dafür Pflegegeld Pflegegeld aus der Pflegeversicherung erhält. Bei Krankheit, Urlaub etc. sollen die pflegerischen Leistungen im häuslichen Umfeld durch eine andere Person vorübergehend übernommen werden. Die Verhinderungspflege kann maximal 42 Tage, also sechs Wochen im Jahr, in Anspruch genommen werden.

Ganz wichtig: das Pflegeneuausrichtungsgesetz ermöglicht seit 2013 auch Menschen mit der Pflegestufe 0, das betrifft meist Demenzkranke, eine Verhinderungspflege zu beantragen und seit Januar 2015 bekommen sie auf Antrag Leistungen der Ersatzpflege ausgezahlt. Eine weitere Erleichterung bei der Beantragung von Leistungen aus der Verhinderungspflege ist es, dass seit Beginn des Jahres 2016 die pflegenden Angehörigen einen rechtlich verbindlichen Anspruch auf Beratung haben, den bis dato streng genommen nur der Pflegebedürftige gegenüber seiner Pflegeversicherung hatte. Dies stellte sich insbesondere im Falle einer Demenzerkrankung des Pflegebedürftigen als schwierig dar. Der Antrag für die Verhinderungspflege wird bei der zuständigen Pflegekasse gestellt. Die Leistungen können jedoch nicht im Voraus beantragt werden. Eine Erstattung erfolgt nach Vorlage entsprechender Rechnungen und Belege. Eventuell notwendig werdende ergänzende Leistungen bei längerer Abwesenheit der pflegenden Person müssen bei den für die Hilfe zur Pflege zuständigen Sozialhilfeträgern beantragt werden.

Für Verhinderungspflege stellen die Pflegekassen pro Jahr maximal 1.612 Euro zur Verfügung. Die Zeit, in der der pflegende Angehörige vertreten wird, wird stundenweise abgerechnet. Das kann pflegenden Angehörigen beispielsweise auch einen abendlichen Kino- oder Theaterbesuch ermöglichen. Die Leistungen können durch einen professionellen Pflegedienst, einen Zivildienstleistenden aber auch von entfernten Verwandten oder Nachbarn übernommen werden. Wird die Ersatzpflege von nahen Verwandten bis zweiten Grades oder von einer im Haushalt des Pflegebedürftigen lebenden Person übernommen, wird von den Pflegekassen lediglich das zustehende Pflegegeld ausgezahlt. Dies fällt je nach Pflegestufe unterschiedlich hoch aus. Allerdings können entstehende, nachzuweisende Kosten, wie Verdienstausfall, Fahrtkosten etc. bis maximal 1.612 Euro geltend gemacht werden. Das übliche Pflegegeld wird während der Zeit der Verhinderungspflege zur Hälfte weiter gezahlt.

Seit 2015 ist es möglich, die Leistungen der Verhinderungspflege mit denen der Kurzzeitpflege zu kombinieren. Das heißt nicht abgerufene Leistungen aus der Kurzzeitpflege können zu 50 Prozent dem Budget der Verhinderungspflege hinzugerechnet werden. Das Leistungsbudget von 1.612 Euro für die Verhinderungspflege wird um weitere 806 Euro auf 2.418 Euro aufgestockt.

Wichtig!

Die Kosten der Ersatzpflege werden unabhängig von der Pflegestufe gezahlt. Wenn der jährliche Höchstbetrag ausgeschöpft ist, erfolgen keine weiteren Zahlungen, auch denn die möglichen 42 Tage noch nicht in Anspruch genommen wurden.


© Pflegenetzwerk - Verhinderungspflege